Gebäudestandard

Gebäu­de­stan­dard

SW-RL Nr. 4.1.1.2

Die Normal­her­stel­lungs­kosten 2010 (NHK 2010) unter­scheiden bei den einzelnen Gebäu­de­arten zwischen verschie­denen Stan­dard­stufen. Das Wert­ermitt­lungs­ob­jekt ist dementspre­chend auf der Grund­lage seiner Stan­dard­merk­male zu qualifizieren.
Die Einord­nung zu einer Stan­dard­stufe ist insbe­son­dere abhängig vom Stand der tech­ni­schen Entwick­lung und den bestehenden recht­li­chen Anfor­de­rungen am Wert­ermitt­lungs­stichtag. […] Dafür sind die Qualität der verwandten Mate­ria­lien und der Bauaus­füh­rung, die ener­ge­ti­schen Eigen­schaften sowie solche Stan­dard­merk­male, die für die jewei­lige Nutzungs- und Gebäu­deart beson­ders rele­vant sind, wie z. B. Schall­schutz oder Aufzugs­an­lagen in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern, von Bedeu­tung. Bei den frei­ste­henden Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern, Doppel­häu­sern und Reihen­häu­sern enthalten die NHK 2010 zwei weitere Stan­dard­stufen (1 und 2) mit Kosten­kenn­werten für Gebäude, deren Stan­dard­merk­male zwar nicht mehr zeit­gemäß sind, aber dennoch eine zweck­ent­spre­chende Nutzung des Gebäudes erlauben. Bei den übrigen Gebäu­de­arten ist bei nicht mehr zeit­ge­mäßen Stan­dard­merk­malen ein entspre­chender Abschlag sach­ver­ständig vorzunehmen.
Zur Orien­tie­rung und Modell­be­schrei­bung enthält die Anlage 2 eine Beschrei­bung der Stan­dard­merk­male zum Bezugs­jahr der NHK 2010 einschließ­lich eines Anwen­dungs­bei­spiels für die Ermitt­lung der Kosten­kenn­werte für frei­ste­hende Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häuser, Doppel­häuser und Reihen­häuser. Die Beschrei­bung ist beispiel­haft und kann nicht alle in der Praxis vorkom­menden Stan­dard­merk­male beschreiben. Alle wert­re­le­vanten Stan­dard­merk­male eines Objektes, auch wenn sie nicht in der Tabelle beschrieben sind, sind sach­ver­ständig einzustufen.


SW-RL Anlage 2

Beschrei­bung der Gebäu­de­stan­dards für frei­ste­hende Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häuser, Doppel­häuser und Reihenhäuser

Außen­wände

Stufe1: Holz­fach­werk, Ziegel­mau­er­werk; Fugen­glatt­strich, Putz, Verklei­dung mit Faser­ze­ment­platten, Bitu­men­schin­deln oder einfa­chen Kunst­stoff­platten; kein oder deut­lich nicht zeit­ge­mäßer Wärme­schutz (vor ca. 1980)

Stufe2: ein-/zwei­scha­liges Mauer­werk, z. B. Gitter­ziegel oder Hohl­block­steine; verputzt und gestri­chen oder Holz­ver­klei­dung; nicht zeit­ge­mäßer Wärme­schutz (vor ca. 1995)

Stufe3: ein-/zwei­scha­liges Mauer­werk, z. B. aus Leicht­zie­geln, Kalk­sand­steinen, Gasbe­ton­steinen; Edel­putz; Wärme­dämm­ver­bund­system ♥ oder Wärme­dämm­putz (nach ca. 1995)

Stufe4: Verblend­mau­er­werk, zwei­schalig, hinter­lüftet, Vorhang­fass ade (z. B. Natur­schiefer); Wärme­däm­mung (nach ca. 2005)

Stufe5: aufwendig gestal­tete Fassaden mit konstruk­tiver Glie­de­rung (Säulen­stel­lungen, Erker etc.), Sicht­beton-Fertig­teile, Natursteinfassade,
Elemente aus Kupfer-/Eloxal­b­lech, mehr­ge­schos­sige Glas­fas­saden; Dämmung im Passivhausstandard

Dach

Stufe1: Dach­pappe, Faserzementplatten/​Wellplatten; keine bis geringe Dachdämmung

Stufe2: einfache Beton­dach­steine oder Tondach­ziegel, Bitu­men­schin­deln; nicht zeit­ge­mäße Dach­däm­mung (vor ca. 1995)

Stufe3: Faser­ze­ment-Schin­deln, beschich­tete Beton­dach­steine und Tondach­ziegel, Foli­en­ab­dich­tung; Rinnen und Fall­rohre aus Zink­blech; Dach­däm­mung (nach ca. 1995)

Stufe4: glasierte Tondach­ziegel, Flach­dach­aus­bil­dung tlw. als Dach­ter­rassen; Konstruk­tion in Brett­schicht­holz, schweres Massiv­flach­dach; beson­dere Dach­formen ♥, z. B. Mansarden‑, Walm­dach; Aufspar­ren­däm­mung, über­durch­schnitt­liche Dämmung (nach ca. 2005)

Stufe5: hoch­wer­tige Einde­ckung z. B. aus Schiefer oder Kupfer, Dach­be­grü­nung, befahr­bares Flach­dach; aufwendig geglie­derte Dach­land­schaft, sicht­bare Bogen­dach­kon­struk­tionen; Rinnen und Fall­rohre aus Kupfer; Dämmung im Passivhausstandard ♥

Fenster und Außentür

Stufe1: Einfach­ver­gla­sung; einfache Holztüren

Stufe2: Zwei­fach­ver­gla­sung (vor ca. 1995); Haustür mit nicht zeit­ge­mäßem Wärme­schutz (vor ca. 1995)

Stufe3: Zwei­fach­ver­gla­sung (nach ca. 1995), Roll­läden (manuell) ♥; Haustür mit zeit­ge­mäßem Wärme­schutz (nach ca. 1995)

Stufe4: Drei­fach­ver­gla­sung ♥, Sonnen­schutz­glas, aufwen­di­gere Rahmen, Roll­läden (elektr.); höher­wer­tige Türan­lage ♥ z. B. mit Seiten­teil, beson­derer Einbruchschutz

Stufe5: große fest­ste­hende Fens­ter­flä­chen, Spezi­al­ver­gla­sung (Schall- und Sonnen­schutz); Außen­türen in hoch­wer­tigen Materialien

Innen­wände und ‑türen

Stufe1: Fach­werk­wände, einfache Putze/​Lehmputze, einfache Kalkan­striche ♥; Füllungs­türen, gestri­chen, mit einfa­chen Beschlägen ohne Dichtungen

Stufe2: massive tragende Innen­wände, nicht tragende Wände in Leicht­bau­weise (z. B. Holz­stän­der­wände mit Gips­karton), Gips­dielen; leichte Türen, Stahlzargen

Stufe3: nicht tragende Innen­wände in massiver Ausfüh­rung bzw. mit Dämm­ma­te­rial gefüllte Stän­der­kon­struk­tionen; schwere Türen, Holzzargen

Stufe4: Sicht­mau­er­werk, Wand­ver­tä­fe­lungen (Holz­pa­neele); Massiv­holz­türen, Schie­be­tür­ele­mente, Glas­türen, struk­tu­rierte Türblätter

Stufe5: gestal­tete Wand­ab­läufe (z. B. Pfei­ler­vor­lagen, abge­setzte oder geschwun­gene Wand­par­tien); Vertä­fe­lungen (Edel­holz, Metall), Akus­tik­putz, Brand­schutz­ver­klei­dung; raum­hohe aufwen­dige Türelemente

Decken­kon­struk­tion und Treppen

Stufe1: Holz­bal­ken­de­cken ohne Füllung, Spalier­putz; Weich­holz­treppen in einfa­cher Art und Ausfüh­rung; kein Trittschallschutz

Stufe2: Holz­bal­ken­de­cken mit Füllung, Kappen­de­cken; Stahl oder Hart­holz­treppen in einfa­cher Art und Ausführung

Stufe3: Beton- und Holz­bal­ken­de­cken mit Tritt- und Luft­schall­schutz (z. B. schwim­mender Estrich); gerad­läu­fige Treppen aus Stahl­beton oder Stahl, Harf­en­treppe, Trittschallschutz

Stufe4: Decken mit größerer Spann­weite, Decken­ver­klei­dung (Holzpaneele/​Kass etten); gewen­delte Treppen aus Stahl­beton oder Stahl, Hart­holz­trep­pen­an­lage in besserer Art und Ausführung ♥

Stufe5: Decken mit großen Spann­weiten, geglie­dert, Decken­ver­tä­fe­lungen (Edel­holz, Metall); breite Stahlbeton‑, Metall- oder Hart­holz­trep­pen­an­lage mit hoch­wer­tigem Geländer

Fuss­böden

Stufe1: ohne Belag

Stufe2: Linoleum‑, Teppich‑, Laminat- und PVC-Böden einfa­cher Art und Ausführung

Stufe3: Linoleum‑, Teppich‑, Laminat- und PVC-Böden besserer Art und Ausfüh­rung, Fliesen, Kunststeinplatten

Stufe4: Natur­stein­platten, Fertig­par­kett, hoch­wer­tige Fliesen ♥, Terraz­z­o­belag, hoch­wer­tige Massiv­holz­böden auf gedämmter Unterkonstruktion

Stufe5: hoch­wer­tiges Parkett ♥, hoch­wer­tige Natur­stein­platten, hoch­wer­tige Edel­holz­böden auf gedämmter Unterkonstruktion

Sani­tär­ein­rich­tungen

Stufe1: einfa­ches Bad mit StandWC, Instal­la­tion auf Putz, Ölfar­ben­an­strich, einfache PVC-Bodenbeläge

Stufe2: 1 Bad mit WC, Dusche oder Bade­wanne; einfache Wand- und Boden­fliesen, teil­weise gefliest

Stufe3: 1 Bad mit WC, Dusche und Bade­wanne, Gäste-WC; Wand- und Boden­fliesen, raum­hoch gefliest

Stufe4: 1 – 2 Bäder mit tlw. zwei Wasch­be­cken, tlw. Bidet/​Urinal, Gäste-WC, boden­gleiche Dusche; Wand- und Boden­fliesen; jeweils in geho­bener Qualität

Stufe5: mehrere groß­zü­gige, hoch­wer­tige Bäder ♥, Gäste-WC; hoch­wer­tige Wand- und Boden­platten (ober­flä­chen­struk­tu­riert, Einzel- und Flächendekors)

Heizung

Stufe1: Einzel­öfen, Schwerkraftheizung

Stufe2: Fern- oder Zentral­hei­zung, einfache Warm­luft­hei­zung, einzelne Gasau­ßen­wand­thermen, Nachtstromspeicher‑, Fußbo­den­hei­zung (vor ca. 1995)

Stufe3: elek­tro­nisch gesteu­erte Fern- oder Zentral­hei­zung, Nieder­tem­pe­ratur- oder Brennwertkessel

Stufe4: Fußbo­den­hei­zung ♥, Solar­kol­lek­toren für Warm­was­ser­er­zeu­gung, zusätz­li­cher Kaminanschluss

Stufe5: Solar­kol­lek­toren für Warm­was­ser­er­zeu­gung und Heizung, Block­heiz­kraft­werk, Wärme­pumpe, Hybrid-Systeme; aufwen­dige zusätz­liche Kaminanlage

Sons­tige tech­ni­sche Ausstattung

Stufe1: sehr wenige Steck­dosen, Schalter und Siche­rungen, kein Fehler­strom­schutz­schalter (FI-Schalter), Leitungen teil­weise auf Putz

Stufe2: wenige Steck­dosen, Schalter und Sicherungen

Stufe3: zeit­ge­mäße Anzahl an Steck­dosen und Licht­aus­lässen, Zählers chrank (ab ca. 1985) mit Unter­ver­tei­lung und Kippsicherungen

Stufe4: zahl­reiche Steck­dosen und Licht­aus­lässe, hoch­wer­tige Abde­ckungen, dezen­trale Lüftung mit Wärme­tau­scher, mehrere LAN- und Fernsehanschlüsse

Stufe5: Video- und zentrale Alarm­an­lage♥, zentrale Lüftung mit Wärme­tau­scher, Klima­an­lage, Bussystem


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